Die Stadt der schlafenden Löwen, die während
ihrer langen Geschichte oft ihren Namen geändert
hat, ist heute eine der bezaubernsten und
geheimnisvollsten Schönheiten Osteuropas. Es ist
das einzige ukrainische "Ensemble der
historische Mitte", dass in die Welterbe-Liste
der UNESCO aufgenommen ist.
Hier findet man:
Die bequemsten Hotels Lviv`s befinden sich im
Stadtzentrum. Als eine preiswerte Alternative,
können Sie versuchen eine Wohnung zu mieten, die
die meisten hotelüblichen Services bieten (
ausser Frühstück ) jedoch zu einem niedrigeren
Preis.
Sollten Sie das erste mal in Lviv sein,
empfehlen wir Ihnen eine Geführte
Stadtrundfahrt. Bei einem gemütlichen Rundgang
entdecken Sie die Hauptatraktionen Lviv`s und
erhalten einen Einblick in deren faszinierenden
Geschichte. Sie erhalten ebenfalls eine schnelle
Einführung in die besten Pub`s, Kaffees und
Gaststätten, und erfahren wo man Andenken,
Karten für die Oper und Fahrkarten für den Zug
kaufen kann.
Sie können hier ebenfalls allerart nützlicher
Reiseinformationen über Lviv erhalten. Wichtige
Telefonnummern und Adressen, wo ist was zu
sehen, wo geht man essen, und wo hält man sich
auf. Wohin man geht, wenn man was entdecken
möchte. Eine der interresantesten
Eintages-Ausflüge ist der Besuch einiger alter
Schlösser die rund um die Regionen Lviv
verstreut sind.
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Vor uns schieben sich hunderte Menschen den
Berg hinauf, mit Kreuzen, Fahnen und
Heiligenbildern. Sie ächzen unter der Last der
Sünde. Einer der Gläubigen trägt auf einer
hölzernen Rückenkruke Lautsprecher, über die
sein Nebenmann Gebete in den Wald hineinruft.
Es ist Mariä Himmelfahrt. Manche Pilger sind
seit Tagen nach Kalwaria Pacawska unterwegs,
einer Marienwallfahrt südlich von Przemysl.
Der Kalvarienberg liegt im Südosten Polens,
hart an der ukrainischen Grenze. Mitten in
Galizien, dem ehemals größten Kronland der
Habsburgermonarchie. Geografisch ist das im
Herzen Europas, politisch zwei Kilometer vor
der EU-Außengrenze, gefühlt am östlichsten
Rand des Kontinents. Dort, wo das gedachte
Europa nur in einer Richtung liegen kann - im
Westen. "Dieser Berg ist wie ein Bollwerk
gegen den Osten", sagt Bruder Clemens. "Hinter
dem nächsten Hügel beten sie schon nach
orthodoxem Ritus." Fahrt nicht "nach drüben",
warnt uns ein anderer unserer polnischen
Mitpilger in gebrochenem Deutsch, "die
Ukrainer stehlen von uns Europäern, was sie
bekommen."
Galizien: Jenseits aller Straßen
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Doch unser Entschluss steht fest - wir
wollen in die Weiten Ostgaliziens fahren, in
jenes Land, das Polen, Deutsche, Ukrainer und
Juden einst mit mitteleuropäischer Kultur
gefüllt haben. Eile ist nicht angebracht;
zunächst verbringen wir ein paar Stunden an
der ukrainischen Grenze mit all den anderen
Reisenden, die ihre in Polen erstandenen
Fernseher, Waschmaschinen und Kühlschränke
nach Hause bringen. Der Westen, so viel ist
zwischen den Schlagbäumen zu erkennen, hat
seine Reise in den Osten zwar angetreten,
angekommen ist er in der Ukraine noch lange
nicht. Jenseits der Grenze ducken sich Dörfer
an den Straßenrand, Bäuerinnen mit bunten
Kopftüchern führen ihre Kühe an Stricken zum
Weiden, Bauern steuern Pferdewagen zu
handtuchbreiten Äckern. Kinder treiben Gänse
über die Straßen, bemooste Denkmäler verkünden
den Sieg des Sozialismus.
Unvermittelt erheben sich Kirchtürme über
dem flachen Land: Auf Ukrainisch heißt die
Stadt Lviv, doch unser ukrainischer
Dolmetscher Wolodymyr nennt sie: "Lemberg. Das
Florenz des Ostens, die alte Hauptstadt
Galiziens." In einem korrekten Deutsch, das
mehr nach Lehrbüchern als nach lebendiger
Sprache klingt, berichtet er: "Sie befindet
sich an der Trennlinie zwischen römischer und
byzantinischer Welt, hier ist der Übergang von
West nach Ost, hier verläuft die
zentraleuropäische Wasserscheide. Es gibt
Häuser, von deren Dächern rinnt das
Regenwasser auf der einen Seite zum Schwarzen
Meer, auf der anderen zur Ostsee."
Das Unwirsche ist realsozialistische
Fassade
Deutsche Klassiker, Grass, Heine - sein
Deutsch hat Wolodymyr aus Werken, die er an
der Uni fand. "Ich heiße Sie in Lemberg
willkommen", sagt er und führt uns in die
Halle des Hotels "George", das ein Traum aus
Stuck und Samt ist. Hier hat schon Balzac
logiert. Bewacht wird es von stark
geschminkten, übellaunigen Rezeptionsdamen,
die verbissen mit ihren Computern kämpfen. Die
Stimmung hellt sich schlagartig auf, als eine
Hochzeitsgesellschaft laut hupend vorüberfährt.
Die Damen springen auf und klatschen in die
Hände. "Wunderbar! So viele Autos!", ruft die
Erste. "Alles Glück den Glücklichen!", ruft
die Zweite. Das Baby, das die eine Dame hinter
dem Tresen hütet, stimmt lautstark in die
Freude ein. Und plötzlich erscheint das
Unwirsche nurmehr als realsozialistische
Fassade, hinter der das Leben lauert.
Von Lemberg hat der Zahn der Zeit kräftig
abgebissen. Die Fassaden stammen aus dem
Barock, der Renaissance, dem Klassizismus und
dem Jugendstil, die Kirchtürme bestimmen den
Rhythmus der Skyline, doch der Stuck platzt ab,
die Aufschriften sind vergilbt, und das
Kopfsteinpflaster türmt sich zu Hügeln.
Lemberg wäre nicht mehr lange eine Perle, wenn
sich seit der Unabhängigkeit der Ukraine nicht
überall Widerstand gegen den Verfall regte.
Dieses Jahr feiern die Lemberger den 750.
Jahrestag der Stadtgründung, das Fest wurde
von Mai in den Herbst verlegt, um noch die
ärgsten Fassaden- und Straßenschäden rund um
das Rathaus beheben zu können.
"Kommen Sie, kommen Sie!", lockt der kleine,
untersetzte Mann im militärischen Tarnanzug.
Wir folgen ihm zögernd, etwas unsicher
betreten wir eine Halle, deren Düsternis
unsere Augen nur langsam durchdringen können.
Die Pracht dieses Raumes ist nicht zu fassen:
Die Treppe schwingt sich mit reichen
Schnitzereien in die erste Etage, die Wände
sind holzvertäfelt, die Kronleuchter atmen den
Glanz der Jahrhunderte. Der freundlich
lächelnde Mann macht eine einladende Geste,
und wir wandeln alleine weiter, von Prunksaal
zu Prunksaal, sprachlos über die Schönheit,
Würde und Verlorenheit des leeren und
dämmrigen Ortes. Erst nachdem wir dem
lächelnden Hauswart ein paar Griwnas in die
Hand gedrückt haben und wieder auf der Straße
stehen, wird uns klar, was wir gesehen haben:
das ehemalige aristokratische Kasino, in dem
sich die Herren des gegenüberliegenden
galizischen Landtags standesgemäß entspannen
konnten.
Das Huzulische ist der gemeinsame Nenner
Wir waren auf ein Stück Mitteleuropa
gestoßen, das weit nach Osten abgedriftet zu
sein scheint. Das größere Wunder Lembergs sind
aber nicht die Bauten, sondern deren
Bewohnerinnen: Wie sie auf dem
Freiheitsboulevard elfengleich und in
traumwandlerischer Sicherheit über das
brüchige Pflaster stolzieren, als ließe sich
mit zehn Zentimeter hohen Absätzen über dem
Ungemach schweben, das ihnen kaputte Straßen,
die altersschwache Tram, stinkende Busse und
zerlumpte Bettler bereiten könnten. Der
Klingelton ihrer Handys ist auch in der
Ukraine der Sound der Zeit, die Klänge des
alten Galiziens sind nur mehr als Import zu
hören: Im "Picasso" etwa, einem Nachtclub,
ertönt heute Abend Klezmermusik.
Vor der Nazizeit gab es in Lemberg 50
Synagogen und Bethäuser, heute ist da nur noch
eine. Hier lebten einst über 100 000 Juden,
zurzeit besteht die jüdische Gemeinde aus
wenigen tausend Menschen. Der Klezmersänger
musste aus Moldawien anreisen, den Inhalt
seiner auf Jiddisch vorgetragenen Lieder
erklärt der junge Mann seinem ergrauten
Publikum auf Russisch, denn das Idiom der
Ostjuden beherrscht niemand mehr. Wer es sich
leisten kann, geht danach noch etwas essen -
zur "Frau Stefa", einem Restaurant in der
Innenstadt. Es gibt Rote-Rüben- Suppe,
Krautrouladen und Banosch, Maisgrütze mit
Schafskäse, außerdem Wodka und Bier, in dieser
Reihenfolge. Dazu spielt die obligate
Huzulenkapelle, deren Musik mit der des
gleichnamigen Bergvolkes in den Karpaten so
viel zu tun hat wie DJ Ötzi mit
alpenländischer Volksmusik.
Doch das Huzulische ist der neue gemeinsame
Nenner Galiziens, ja der ganzen Westukraine.
Nicht nur mit Folklore feiern die Ukrainer
ihre nationale Erweckung, sondern auch mit
Kunst. Mit großem Aufwand haben sie das
Potocki-Palais renoviert, um es zu einem
Kunstmuseum zu machen. In sowjetischer Zeit
hatte das prächtige Barockschloss schweren
Schaden genommen, weil die "Russen", wie die
Menschen hier alles Böse nennen, ausgerechnet
mitten im Schlosshof die erste U-Bahn-Station
der Stadt bauen wollten.
"Ich bin hier die Schlossprinzessin"
Die falsch konstruierten Schächte sind
längst wieder zugeschüttet, die U-Bahn-Pläne
ad acta gelegt, und Vosnytsky Boris
Hryrorowitsch triumphiert. "Die Sowjets
wollten unsere Kultur zerstören", sagt der
schon etwas zittrige, aber stolze
Museumsdirektor, der seinen Posten seit 45
Jahren innehat, "sie machten unsere Kirchen zu
Lagerhallen und unsere Schlösser zu
Gefängnissen, doch wir haben uns gewehrt, und
jetzt sind wir sie los." Dabei huscht ein
feines Lächeln über die Lippen des sonst so
ernsten Mannes. Seine Obsession während all
der Jahrzehnte der Okkupation durch die Russen
bestand darin, Kunstwerke aus den
verstaatlichten Schlössern, Kirchen und
Klöstern im ganzen Land vor der Zerstörung zu
retten und in den Lagern seines Museums zu
horten. Ungefähr 20 000 Stücke zählt diese
Sammlung mittlerweile, der Museumsdirektor
sagt, sie seien 80 Milliarden Dollar wert -
wohl eher eine konservative Schätzung.
Wir fahren tiefer hinein in die galizische
Weite, auf der Fernstraße von Lemberg nach
Kiew. Das häufigste Lebewesen hier scheint der
Storch zu sein, das zweithäufigste eine alte
Frau, die alleine auf weiter Flur nur mit
einer Harke bewaffnet gegen das Unkraut kämpft.
Als die Ebene erste Wellen wirft, erscheint
Schloss Pidhirci. Der Bau galt schon im 17.
Jahrhundert als bedeutendste Sehenswürdigkeit
des Landes, als ukrainisches Versailles. Am
Eingang empfängt uns Svitlana Mostova,
Kunsthistorikerin und Schlossverwalterin. "Ich
bin hier die Schlossprinzessin", sagt sie
lachend. In ihrem Reich war bis vor kurzem
eine Lungenheilanstalt untergebracht. Die
Kranken sind inzwischen umgezogen, die Kunst
lagert noch im Lemberger Depot. Beredt
schildert unsere Prinzessin den Glanz
vergangener Tage.
Während wir von einem leeren Saal in den
nächsten wandern, entstehen vor unseren
inneren Augen italienische Marmorböden und
Lüster aus Murano- Glas wieder. Während sie
erzählt, sehen wir chinesische Möbel,
türkische Teppiche und französische
Seidentapeten - dort, wo noch die abgerissenen
Klosettanlagen stehen. "Alles hier wird
wunderschön", sagt die Prinzessin und strahlt
über das ganze Gesicht, "ihr seid zur
Eröffnung eines neuen europäischen
Kunstmuseums willkommen" - als ob die bereits
morgen bevorstünde.
Ein Kriegsveteran im Sonntagsanzug
dirigiert das Team
Auch gegenüber dem Schloss, hinter dem
verwilderten Park, wird gearbeitet, dort
graben drei Männer auf dem Hof der Dorfkirche.
Der Spätrenaissancebau mit zwei Säulenreihen,
auf denen Heiligenfiguren dem Verfall trotzen,
wirkt zwischen weidenden Kühen und Pferden wie
ein aufs Dorf verirrter, kleiner Petersdom.
Einer der Männer hantiert mit einem
Metalldetektor, ein zweiter mit einer
Wünschelrute. Sie suchen die Glocken, die in
den freistehenden Türmen neben der Kirche
läuteten - bis die Deutschen sie 1944
vergruben, als die Rote Armee näherrückte.
Rund 60 Jahre später ist das Geschehen hier so
präsent, als wäre alles erst gestern passiert:
Ein Kriegsveteran aus dem Dorf, im
Sonntagsanzug und ordensgeschmückt, dirigiert
das Grabungsteam aus dem fernen Kiew zu der
Stelle, wo er die Glocken vermutet.
In Jaremtsche, unserem nächsten Ziel, ist
die Zeit vergleichsweise weit vorgerückt:
Dieses Vorzeige-Feriendorf in den ukrainischen
Waldkarpaten scheint schon deutlich näher an
Europa zu liegen. Die Übernachtungszahlen
waren nach dem Ende des Sozialismus, als große
Staatsbetriebe den Billigtourismus
organisierten, drastisch eingebrochen. "Vor
knapp zehn Jahren waren wir ganz unten
angelangt, bei 26 000 Gästen pro Jahr", sagt
Viktor Jakiwtschuk, huzulischer Abstammung wie
die meisten hier, Förster,
Nationalparkdirektor und Besitzer des neu
erbauten Blockhauses, in dem wir wohnen. "Jetzt
sind wir bei 300 000." Die umtriebigen Huzulen
hatten sich EU-Berater geholt, Privatquartiere
gezimmert, eine alte Holzfäller-Dampfeisenbahn
durch den Wald reanimiert. Ihr Dorf mit einer
ganzjährigen Weihnachtsdekoration verschönert,
huzulische Trachtenkapellen engagiert und eine
neue Skistation gebaut.
"Wir haben uns mit den anderen Bergvölkern
der EU zusammengetan", sagt Jakiwtschuk, "mit
den Polen, den Bayern, den Österreichern, den
Schweizern." Auf den Einwurf, so neu sei das
doch gar nicht - nette Privatquartiere,
markierte Wanderwege, gemütliche
Bergrestaurants, antwortet er lachend: "Alles
Neue ist ohnehin nur vergessenes Altes, all
das gab es früher natürlich auch in den
Karpaten, zu Habsburgerzeiten."
Kein Auto, aber Hühner
Damit wir sehen, dass die Huzulen über
solche Fortschritte die Tradition nicht
vergessen haben, schickt unser Vermieter uns
zu Mychajlow Tafitschuk, dem besten Trembita-Bauer
der Karpaten. Die Trembita ist das huzulische
Pendant zum Schweizer Alphorn, aus Fichtenholz
und Birkenrinde zusammengeleimt. Herr
Tafitschuk kann auch Flöten bauen, den
huzulischen Dudelsack Duda und sogar Geigen,
aber auch Äxte schmieden, Bänke zimmern oder
Webstühle konstruieren. Wenn der Hausherr
einen neuen Bohrer braucht, dann fährt er
nicht in den Baumarkt, sondern schmiedet sich
einen.
So lebt Herr Tafitschuk zusammen mit seiner
Frau, einem seiner acht Kinder und zwei seiner
13, nein, 15, korrigiert die Großmutter, also
15 Enkelkindern mitten in diesem kleinen
Paradies. Fast ganz oben auf der Alm, in einem
selbstgezimmerten Haus, das man nur zu Fuß
oder mit dem Pferdewagen erreichen kann, was
nichts ausmacht, denn ein Auto besitzt hier
sowieso kaum jemand, jedenfalls niemand aus
der Familie.
Doch in dieser Abgeschiedenheit benötigt
man auch kein Auto, sondern nur ein paar Kühe,
Schafe, Schweine, Hühner und jede Menge
geschickte Hände. Die backen Brot, machen
Butter, weben Wolle, nähen Kleider, stopfen
Würste, räuchern Schinken, brennen Schnaps und
kochen Marmelade ein - was man eben so macht,
wenn man über die Dinge verfügt, aber nicht
über Geld.
Früher gingen ein paar der Söhne ins
Sägewerk arbeiten, doch das bringt wenig, 300
Griwna im Monat, gerade mal 50 Euro. Da ist es
besser, man arbeitet am eigenen Haus und
verkauft hin und wieder einen selbstgewebten
Teppich, eine Axt oder eine Trembita an einen
verirrten Touristen. Das reicht, um ein
bisschen Schrott als Rohmaterial für neue Äxte
zu kaufen, einen gebrauchten Fernseher oder
ein paar Gummistiefel. Für Dinge eben, die
hier oben nicht wachsen.
Hier ist noch Platz
Nicht wegen der Äxte des Herrn Tafitschuk
die meisten Touristen hierher, sondern wegen
der Howerla. Die ist mit 2061 Metern der
höchste Berg der ukrainischen Karpaten. Die
Howerla ist auch der heilige Berg der Huzulen,
und seit sich Präsident Wiktor Juschtschenko
dazu entschloss, die von Gras und Latschen
bewachsene Anhöhe zur Feier der ukrainischen
Unabhängigkeit von nun an einmal jährlich zu
besteigen, ist der höchste Berg des Landes
allen rund 47 Millionen Einwohnern heilig.
Wodurch die Besucherzahlen drastisch anstiegen
- und die der Freiheitsdenkmäler auf dem
Gipfel. Den erreichen wir im Frühsommer durch
tiefe Schneefelder, Graupelschauer und im
pfeifenden Wind, zeitgleich mit dutzenden
anderen ukrainischen Bergsteigern, die sich
vor allem durch ihren alpinistischen Wagemut
auszeichnen: Ohne Jacken und Bergschuhe, dafür
in Hausschuhen, Lederslippern oder Turnschuhen
und nur von Plastiktüten geschützt erklimmen
sie den Gipfel, den schmalen Proviant in einer
zweiten Plastiktüte mit sich führend. Trotzdem
genießen alle den Blick über unendliche
Bergweiten und unbesiedelte, waldige Täler,
soweit das Auge reicht - hier ist noch Platz,
viel Platz.
Ein paar Kilometer weiter stoßen wir mitten
in einem schattigen Tal unverhofft doch noch
auf die Mitte Europas. Am Straßenrand, am Ufer
des Flusses Theiß, steht ein Denkmal aus
österreichischer Zeit, mit einer lateinischen
Inschrift geschmückt: "Ständiger, genauer,
ewiger Ort. Zentrum Europas, festgelegt im
Jahr 1887." Nur ein kleiner, weißgetünchter
Stein, doch für uns der Beweis: Wir sind
mittendrin in dem kleinen Kontinent, dessen
Grenzen so unsicher sind wie die keines
anderen.
Die Ukrainer scheinen dieses Zentrum erst
jetzt wahrzunehmen. Seit Anfang dieses Jahres
wird der Mittelpunkt Europas touristisch
verwertet, auf sehr ukrainische Weise: In
einer Holzhütte bietet das Restaurant "Zum
Mittelpunkt Europas" Bliny und Wodka an, es
gibt Souvenirs und man kann sich neben einem
ausgestopften Bären fotografieren lassen.
Manchmal halten Reisebusse, immer öfter auch
mit Reisenden aus dem Westen. Nimmt in Europa
das Interesse an seiner Mitte wieder zu? Oder
beginnt die Mitte, auch das wäre möglich,
Europa erst jetzt so richtig zu entdecken?
CHECK IN
Telefon: Internationale Vorwahl Polen
0048, Ukraine 00380
Zeitunterschied: Plus eine Stunde in
der Ukraine
Geld: Polnische Zloty (1 Euro = ca. 4
PLN), Ukrainische Griwna (1 Euro = ca. 6 UAH).
Sprachen: Viele junge Polen sprechen
Englisch, manche ältere Deutsch. In der
Ukraine sind Englischkenntnisse selten.
Visum: Nicht erforderlich. Für die
Ukraine brauchen Reisende einen mindestens
noch einen Monat gültigen Reisepass und eine
Reisekrankenversicherung.
Anreise: Lufthansa, Austrian, Alitalia
und LOT fliegen täglich nach Krakau.
Germanwings von Hamburg, Köln/Bonn und
Stuttgart, Easyjet von Berlin und Dortmund.
Wizz von Dortmund und Frankfurt/Hahn nach
Kattowitz bei Krakau. Flüge mit LOT oder
Austrian über Warschau oder Wien nach Lviv (Lemberg)
sind teuer (500 bis 1000 Euro).
Mit dem Zug: am bequemsten über Nacht
nach Krakau. Ab Krakau per Bus oder Zug bis
Lviv, bis zur ukrainischen Grenze auch im
Mietwagen (diverse polnische und
internationale Vermieter).